Scan-Cars in Essen – das Gegenstück zu „Blitzer-Kalle?
Scan-Cars, der nächste Aufreger? Blitzer kennt jeder. Sie messen die Geschwindigkeit und sorgen dafür, dass Tempolimits eingehalten werden. Doch mittlerweile sind in vielen Städten weitere digitale Helfer unterwegs: sogenannte Scan-Cars. Sie kontrollieren nicht die Geschwindigkeit, sondern parkende Fahrzeuge – schnell, automatisiert und im Vorbeifahren.
Was sind Scan-Cars?
Scan-Cars sind Fahrzeuge, die mit mehreren Kameras und einer automatischen Kennzeichenerkennung ausgestattet sind. Während sie durch Straßen fahren, erfassen sie die Kennzeichen geparkter Fahrzeuge.
Die erfassten Daten werden unmittelbar mit den vorhandenen Parkberechtigungen oder Parkscheinen abgeglichen. Erkennt das System einen möglichen Verstoß, wird dieser anschließend von Mitarbeitenden der zuständigen Behörde überprüft. Erst danach kann ein Verwarn- oder Bußgeld ausgesprochen werden.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Knöllchen zu verteilen. Vielmehr sollen knappe Parkflächen besser überwacht, Rettungswege freigehalten und der Parkraum gerechter genutzt werden.
Werden Scan-Cars in Essen bereits eingesetzt?
Mehrere deutsche Städte setzen die Technik bereits ein oder testen sie.
In Berlin sollen Scan-Fahrzeuge künftig vor allem die Kontrolle von Bewohnerparkzonen erleichtern. Da Parkberechtigungen inzwischen digital verwaltet werden können, lässt sich automatisch prüfen, ob ein Fahrzeug berechtigt ist, in einer Bewohnerparkzone zu stehen.
Kritik gibt es dort, weil die Gebühren fürs Anwohnerparken nicht einmal die Verwaltungskosten decken. Die rechtlichen Fragen sollen bereits geklärt sein, doch Personalnot erschwere den Start.
Die Stadt Essen wartet derzeit Ergebnisse aus den Tests in Düsseldorf und Dortmund ab und will rechtliche Fragestellungen klären.
Sonderfall: Scan-Busse in Frankfurt am Main und Wiesbaden
Nicht jede automatische Kennzeichenerfassung erfolgt durch spezielle Scan-Cars.
In Frankfurt am Main und inzwischen auch in Wiesbaden kommen ganz normale Linienbusse mit Frontkameras zum Einsatz. Die Kameras dokumentieren Fahrzeuge, die unberechtigt Busspuren nutzen oder Haltestellen blockieren. Dadurch können Verstöße einfacher nachgewiesen werden und Busse kommen zuverlässiger durch den Verkehr.
Warum setzen Städte auf diese Technik?
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- mehr kontrollierte Straßen in kürzerer Zeit
- freie Rettungswege und Feuerwehrzufahrten
- weniger Falschparker auf Radwegen und Busspuren
- gerechtere Nutzung von Parkraum
- Entlastung der Mitarbeitenden im Ordnungsdienst
Gerade in Großstädten wächst der Parkdruck. Digitale Unterstützung hilft den Kommunen, ihre Aufgaben effizienter zu erfüllen.
Gibt es auch Kritik?
Ja. Kritiker sehen vor allem Fragen des Datenschutzes. Schließlich werden beim Vorbeifahren viele Kennzeichen erfasst, obwohl die meisten Fahrzeuge ordnungsgemäß geparkt sind.
Deshalb gelten für den Einsatz strenge rechtliche Vorgaben. Unauffällige Datensätze dürfen grundsätzlich nicht dauerhaft gespeichert werden. Außerdem erfolgt vor einem Bußgeldbescheid eine menschliche Kontrolle.
Was bedeutet das für Dich?
Für Autofahrer wird deutlich: Verkehrsüberwachung findet heute längst nicht mehr nur durch Blitzer statt.
Wer sein Fahrzeug korrekt abstellt, muss sich keine Sorgen machen. Wer jedoch Radwege, Busspuren oder Anwohnerparkplätze ohne Berechtigung nutzt, muss künftig häufiger mit einer Kontrolle rechnen – auch wenn kein Mitarbeiter des Ordnungsamtes zu sehen ist.
Die Digitalisierung macht auch vor der Parkraumüberwachung nicht halt. Scan-Cars und kameragestützte Systeme werden deshalb in den kommenden Jahren vermutlich in immer mehr Städten zum Alltag gehören.